Ich erlebe es immer wieder, daß User beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auch per Mail Bekannte und Freunde eifrig vor vermeintlichen Gefahren im Netz warnen. In vielen Fällen verbreiten sich diese Nachrichten in Windeseile. Wenn man diejenigen, die das weiterverbreiten, nach einer unabhängigen Quelle für die Warnung fragt, so können sie meist keine nennen. Nur in seltenen Fällen ist an der Warnung etwas dran. Meistens handelt es sich um einen sogenannten Hoax, eine Falschmeldung.
Bittet man diejenigen, die Hoaxes weiterverbreiten, dies nicht zu tun, erzeugt dies meistens Unverständnis. Schließlich sei es doch nur gut gemeint, und lieber warne man vor etwas, auch wenn es sich dann als Falschmeldung herausstelle.
Doch diese Haltung ist gefährlich! Hoaxes sind oft nicht harmlos!
Warum Hoaxes schädlich sein können
Es gibt mehrere Gründe, warum die ungeprüfte Verbreitung von Falschmeldungen ein Problem ist.
Sie erzeugen Verunsicherung und streuen Angst: Viele Menschen lassen sich von solchen Warnungen verunsichern. Die Folge ist meist, daß sie sie, ohne weiter darüber nachzudenken, weiterleiten. Aber in einzelnen Fällen können Verunsicherung und Angst auch schlimmere Folgen haben:
Warnungen und Anleitungen in Hoaxes können Schäden verursachen: Ich erinnere mich, daß in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Hoax die Runde machte, daß sich ein gefährlicher Virus unter Windows verbreite und man eine bestimmte Datei suchen und diese löschen solle, wenn sie sich auf dem System befinde. Nur so könne man den Virus loswerden. In Wahrheit handelte es sich bei der Datei um eine wichtige Windows-Systemdatei, und die Löschung dieser Datei beschädigte das System. In den darauffolgenden Jahren folgten zahlreiche weitere Hoaxes, die nach dem gleichen Schema arbeiteten.
Aber auch offline kann sich ein Hoax negativ auswirken. So hat die – in letzter Zeit übrigens wieder auftretende – Falschmeldung, eine Person in einem weißen Kleinbus spreche vor Schulen Kinder an, die sich auf Facebook rasend schnell verbreitet hat und sich zeitgleich auf mehrere deutsche Städte bezog, dazu geführt, daß viele Eltern ihre Kinder völlig grundlos nicht zur Schule geschickt haben – selbst, als schon bekannt war, daß es sich um eine Falschmeldung handelte.
Last but not least ermöglichen Falschmeldungen natürlich auch Angriffe auf Firmen, etwa dadurch, daß Angreifer versuchen, über eine solche Warnung an sensible Daten heranzukommen, etwa indem behauptet wird, man müsse die Daten auf einer Website eingeben, um das Problem zu beheben.
Die ständige Verbreitung von Falschmeldungen führt zu mangelnder Aufmerksamkeit: Dieses Problem läßt sich besonders gut an dem Hoax mit dem weißen Kleinbus illustrieren. Werden ständig solche Falschmeldungen verbreitet, glaubt irgendwann keiner mehr einer solchen Meldung, auch wenn sie eine Warnung vor einer echten Gefahr darstellt. Die Folge: Menschen nehmen echte Bedrohungen nicht mehr ernst und kommen unter Umständen zu Schaden.
Die Weiterverbreitung des Hoax verbraucht unnötig Ressourcen: In der heutigen Zeit mag dieses Argument nicht mehr so wichtig sein. Aber früher konnte ein Hoax, der sich beispielsweise massenhaft per Mail verbreitete, Mailserver schon einmal in die Knie zwingen.
Was kann man tun?
Was kann man nun tun, um die unnötige und mitunter gefährliche Verbreitung solcher Falschmeldungen zu vermeiden?
Informieren Sie sich, ehe Sie eine Warnung weiterleiten oder Anweisungen aus der Warnung ausführen: Meistens reicht es, einen Teil des zugesandten Textes in Google zu suchen, um festzustellen, ob es sich um eine ernstzunehmende Warnung oder einen Hoax handelt. Die TU-Berlin hat einen Hoax-Info-Service eingerichtet. Sehr gute Quellen für Facebook-Hoaxes sind zudem die Website von Zuerst denken, dann klicken und die dazugehörige Facebook-Seite. In jedem Fall gilt: Sie sollten immer zuerst recherchieren, ehe Sie handeln!
Fragen Sie Fachleute: In manchen Fällen mag eine Recherche Sie nicht weiterbringen, etwa wenn der Hoax relativ neu ist. In solchen Fällen sollten Sie Bekannte oder Freunde fragen, die sich mit der Thematik auskennen und die die Meldung beurteilen können.
Warnen Sie vor Hoaxes und bitten Sie Freunde und Bekannte, sie nicht weiterzuverbreiten: Wenn Ihnen ein solcher Hoax zugesandt wird, warnen Sie Ihre Freunde und Bekannten davor und bitten Sie sie, den Hoax nicht weiterzuverbreiten. Weisen Sie auf Quellen hin, die belegen, daß es sich um einen Hoax handelt, um zu gewährleisten, daß man Ihnen glaubt.


Ganz gefährlich sind Hoaxe mit Telefonnummern. Sie haben schon so manche Notrufleitstellen und Hotlines von Tierschutzorganisationen lahm gelegt, sodass diese kaum noch in der Lage waren, reale Fälle zu bearbeiten, bei denen es wirklich um Leben oder Tod geht. Manche Privatpersonen mussten gar ihren Mobilfunkvertrag kündigen, um ihre Ruhe zu haben (nach Postings wie: Pferd braucht ein neues Zuhause oder wird geschlachtet …)
Guter Hinweis, danke. Auch Hoaxes mit Mailadressen sind gefährlich, weil sie für die Betroffenen zum regelrechten Psychoterror werden können.
Es fehlen noch die wichtigsten Merkmale von Hoaxes:
- Ein Hoax ist ein soziales Computervirus, das seine menschlichen Leser animiert, es zu verbreiten.
- Es kommt extrem dringlich daher, aber sein Text enthält kein Datum.
- Es beruft sich gegebenenfalls auf Autoritäten, aber es verweist auf keine zugängliche, seriöse Quelle.
Das stimmt für den Computerbereich, und auch da nur bedingt. An sich ist ein Hoax zunächst mal ganz allgemein eine Falschmeldung, die sich stark weiterverbreitet. Das muß nicht über Computersysteme geschehen. Auch die Dringlichkeit der Meldung halte ich für kein zwingendes Merkmal. Die Meldung muß einfach so überzeugend sein, daß sie weitergesagt wird. Das kann auch ein harmloser, nicht dringlich, aber überzeugend wirkender Aprilscherz sein. Last but not least können m. E. schon als seriös angesehene Quellen angegeben sein, etwa wenn der Absender eines Hoaxes anscheinend das BKA o. ä. ist.
Ok, das war wohl zu einschränkend formuliert:
Ein Hoax funktioniert wie ein Computervirus. Er veranlasst aber nicht einen Computer, ihn zu verbreiten, sondern den Menschen. Hoaxes sind soziale Viren.
Ein Hoax kommt oft dringlich oder dramatisch daher. Er enthält aber kein Datum, sodass er auch nach Jahren aktuell wirkt.
Ein Hoax beruft sich gegebenenfalls auf Autoritäten, aber es verweist auf keine zugängliche seriöse Quelle, die seine Behauptung beweist.
Ich kenne Hoaxes, die ein Datum enthalten und auch nur zu dem Zeitpiunkt funktionieren. Die gibt es auch im Computerbereich, und bei vielen Aprilscherzen ist das der Fall. Die Verbreitung ist in der Tat viral, ja, aber das hat schon vor der Erfindung des Computers funktioniert.
Der Begriff “Hoax” ist 1796 das erste Mal aufgetaucht.
Pingback: JacoBlök » Wieso fallen immer noch viele Menschen auf Kettennachrichten rein?